Was wollten Sie mit der Gründung der Deutschen José Carreras
Leukämie-Stiftung e.V.erreichen?
Wie Sie wissen, litt ich selbst 1987 an Leukämie. Nur mit der Hilfe von
Wissenschaftlern und der liebevollen Unterstützung von meiner Familie,
meinen Freunden und Fans aus aller Welt konnte ich die Krankheit
letztendlich besiegen. Seitdem empfinde ich eine große Dankbarkeit.
Daher entschloss ich mich 1988, die erste José Carreras
Leukämie-Stiftung in Spanien zu gründen. Heute gibt es vier Stiftungen
- in Spanien, Deutschland, den USA und der Schweiz. Ich wollte damit
immer nur ein Ziel erreichen: Dass Leukämie heilbar wird - immer und
für jeden.
Was für Projekte hat die deutsche Stiftung finanziert und welche
Projekte werden es in Zukunft sein?
Dank der Großzügigkeit der Spender war es uns möglich in nur sechs
Jahren rund 170 Projekte zu finanzieren. Dabei hat die Deutsche José
Carreras Leukämie-Stiftung e.V. mehr als 65 Millionen D-Mark
ausgegeben. Die DJCLS ist auf mehreren Feldern aktiv. Sie unterstützt
die Leukämie-Forschung und Untersuchung, damit Fortschritte in der
Behandlung der Krankheit erzielt werden können. Wir unterstützen
verschiedene Forschungsprojekte an wichtigen deutschen Universitäten,
u. a. in Berlin, Leipzig, München, Ulm, Dresden, Hannover, Mainz,
Tübingen, Frankfurt, Heidelberg. Außerdem vergeben wir Stipendien an
junge vielversprechende Wissenschaftler. Wir haben beispielsweise
geholfen, dass Kapazitäten für Knochenmarktransplantationen erweitert
werden konnten und finanzieren z.B. Nachsorgestationen, Tageskliniken
und Labore. Außerdem unterstützen wir Elterninitiativen und
Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland.
Besuchen Sie regelmäßig Leukämie-Patienten in Krankenhäusern, die mit
Ihrer Hilfe arbeiten?
Ja. Ich habe oft die Möglichkeit Patienten zu treffen, die in einem von
uns unterstützen Krankenhaus behandelt wurden. Wann immer es mir
möglich ist, versuche ich, mit ihnen meine positive Einstellung zu
teilen. Ich glaube, dass neben professioneller ärztlicher Behandlung,
der Glaube an sich selbst und die Liebe von Freunden und Familie
lebensnotwendig für einen Leukämiekranken sind. Und zu wissen: Auch
wenn die Chance nur eins zu einer Million ist: Ich werde den Kampf
gewinnen!
Sie selbst erkrankten 1987 an Leukämie. Welchen Einfluss hatte dies auf
Ihr weiteres Leben?
Nachdem ich mich von der Leukämie erholt hatte, wollte ich, genau wie
meine Freunde und meine Familie, mein zweites Leben genießen. Meine
Prioritäten haben sich geändert, ich bin die selbe Person, lebe jedoch
mit einem Gefühl enormer Dankbarkeit. Ich lebe jetzt intensiver,
bewusster, konzentriere mich mehr auf das, was mir wirklich wichtig
ist. Meine Benefiz-Auftritte und meine Zusammenarbeit mit den
Stiftungen sind die wichtigsten Aktivitäten und Ziele in meinem Leben -
neben der Tätigkeit als Künstler und Sänger.
Was bedeutet für Sie Musik? Könnten Sie einen Monat lang völlig ohne
sie leben?
Ich habe mehr als 40 Jahre gesungen. Ich wüsste nicht, wie es wäre,
hätte ich mein Leben nicht der Musik verschrieben - das war meine
Berufung. Meine Liebe zur Musik war immer ein Teil von mir.
Was für Musikrichtungen mögen Sie, abgesehen von der klassischen?
Ich mag alle Arten von Musik, solange sie eine Mindestqualität haben,
Gefühle ausdrücken können und dem Publikum etwas herüberbringen. Ich
genieße gute Pop-Musik ebenso wie klassische. Um Ihnen ein aktuelles
Beispiel zu geben: Während ich bei den großen Benefiz-Galas auftrat,
hatte ich die Möglichkeit mit wunderbaren Musikern aus den
verschiedensten Genres zusammenzuarbeiten, wie den Scorpions, Lionel
Ritchie, Udo Jürgens und vielen anderen - in diesem Jahr freue ich
mich, Kollegen aus sehr unterschiedlichen Genres zu begrüßen, wie Sarah
Brightman, André Rieu, Howard Carpendale, Al Martino, Milva, Lena
Valaitis, Zucchero, Chris Norman, David Knopfler, Natalia Kukulska, The
Magic Platters und vielen anderen... also - Ich mag Musik, die die
Herzen der Menschen bewegt.
Alljährlich findet die "José Carreras Gala" im deutschen Fernsehen
statt. Was bedeutet Ihnen das?
Das wichtigste ist für uns, dass wir die Botschaft verbreiten können:
Leukämie ist eine Krankheit, die in vielen Fällen heilbar ist.
Technisch und medizinisch haben wir gute Möglichkeiten, vielen
Patienten zu helfen. Aber es bleibt noch viel zu tun. Dazu brauchen wir
Ihre Unterstützung.
Mit der Solidarität der Spender hoffen wir auch in Zukunft in der Lage
zu sein, unsere Arbeit fortzusetzen. Ich möchte auch von ganzem Herzen
meinen Dank aussprechen ... Mit ihren Spenden geben die Deutschen
Leukämiepatienten und ihren Familien neue Hoffnung! Danke!
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